Read Tschaikowsky: Leben und Werk by Malte Korff Online

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Die aktuellste Tschaikowsky BiografiePeter Iljitsch Tschaikowsky 18401893 galt schon vor seinem Tod als der bedeutendste russische Komponist und das ist bis heute so Von den Klassikfreunden werden seine Werke geliebt Das ganze musikalische Werk entstand innerhalb von drei Jahrzehnten Das Leben des Komponisten war von einigen Krisen geprgt Er war homosexuell, fhrte eine unglckliche Ehe ber den Umstnden seines Todes liegt nach wie vor ein Geheimnis....

Title : Tschaikowsky: Leben und Werk
Author :
Rating :
ISBN : B00K0NE378
ISBN13 : -
Format Type : E-Book
Language : Deutsch
Publisher : dtv Verlagsgesellschaft mbH Co KG 21 November 2014
Number of Pages : 560 Pages
File Size : 662 KB
Status : Available For Download
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Tschaikowsky: Leben und Werk Reviews

  • Stephan Wermelskirchen
    2019-03-31 21:12

    Pjotr Iljitsch Tschaikowsky hat's wirklich nicht leicht. Während andere Komponisten des 19. Jahrhunderts in den musischen Himmel gehoben (und mit dem Glorienschein des Genialischen versehen) werden, gilt Tschaikowsky von je her als komponierender Kummerkasten, als symphonisches Sorgenkind. Unter den Biographen des Westens ist es fast schon Tradition, dass man Tschaikowsky (trotz oder vielleicht wegen seiner Popularität) nicht so besonders ernst nimmt. Und obwohl es auch Beispiele gewissenhaft-aufgeklärter, akademisch-objektiver Forschungsergebnisse gibt (man denke z.B. an die Tschaikowsky-Biographien von Wiley und Poznansky), spukt das klischeehafte Gespenst vom sentimentalen, weichen, bemitleidenswerten Russen hartnäckig durch die Buchseiten deutschsprachiger Tschaikowsky-Literatur. Leider steht auch Malte Korffs Tschaikowsky-Biographie in dieser traurigen Tradition.Korffs "Leben und Werk"-Buch kränkelt an vielen Stellen. Dass es mit der wissenschaftlichen Genauigkeit nicht weit her ist, verrät schon ein flüchtiger Blick auf die Zitate. Malte Korff zitiert gern und viel. Es gibt Zitate von Kadja Grönke, Klaus Mann, Constantin Floros; es gibt Zitate über Werk-Aspekte, Zeitgeschichte, Persönlichkeitsmerkmale. Angesichts der Fülle an Zitaten gehört das Setzen von Fußnoten eigentlich zur methodischen Selbstverständlichkeit. Aber weil Korff keine Fuß- oder Endnoten setzt, kann der Leser kaum überprüfen oder nachvollziehen, woher ein Zitat stammt (bzw. in welchem Zusammenhang das Zitat tatsächlich steht). Das ist besonders problematisch, wenn aus Tschaikowskys brieflicher Korrespondenz zitiert wird: Woher kommt das Zitat? Welche russisch-deutsche Übersetzung wird zitiert? In der Tschaikowsky-Literatur wimmelt es vor ungenauen, tendenziösen Übersetzungen. Und darum muss ein Schriftsteller, der im 21. Jahrhundert eine Tschaikowsky-Biographie veröffentlicht, für größtmögliche Transparenz sorgen. Das tut Malte Korff nicht.Da nimmt es auch nicht Wunder, dass Korffs "Tschaikowsky"-Buch auch einige Fehler enthält, die man in einer gut recherchierten (und lektorierten) Biographie nicht erwarten würde. Manchmal handelt es sich nur um unschöne Flüchtigkeitsfehler oder Ungenauigkeiten: Tschaikowsky hat - im eigentlichen Wortsinne - keine "Autobiografie" (S. 22) geschrieben; und als Tschaikowskys Schwester erkrankte, wurde - sagt Korff - nichts diagnostiziert, sondern der Arzt "prognostizierte ein Lungenleiden" (S. 202). Andere Fehler sind gravierender (und richtiggehend verblüffend): Tschaikowskys sechste Symphonie erhielt nicht erst nach der Uraufführung "den Beinamen 'Pathétique'" (S. 221). Bei Giacomo Meyerbeer handelt es sich nicht um einen "Franzosen" (S. 135). Die (1892 uraufgeführte) Oper "Jolanthe" setzte sich nicht "ab 1868 [...] in Großbritannien" (S. 208) durch. Und im Jahr 1893 hieß der russische Zar Alexander III. - er hieß nicht "Nikolaus III." (S. 231).Bei so viel Nachlässigkeit gerät Malte Korffs "Tschaikowsky" schnell zu einer unzuverlässigen Anekdotensammlung, in der unreflektiert-sentimental tradierte Behauptungen aneinandergereiht werden. Beim ersten großen Abschied von seiner Mutter klammert sich der junge Tschaikowsky "an eines der rollenden Hinterräder" (S. 18) des fahrenden Wagens. Und im Jahr 1877 unternimmt Tschaikowsky natürlich einen Selbstmordversuch, in der Hoffnung, an einer "Lungenentzündung zu sterben" (S. 101). Mit dieser Grundhaltung driftet Malte Korff oft in die Simplizität der Schwarz-Weiß-Malerei ab, sodass er mit naiv-märchenhaften Erklärungen aufwartet. Nach einem Tschaikowsky-Dirigat im Jahr 1887 hagelte es böse Kritiken, und Korff hat eine einfache Erklärung: Die "Feinde fallen über ihn her, um ihm zu schaden" (S. 163).Tschaikowsky ist - bei Malte Korff - ohnehin ein verletzlicher, bedauernswerter Kerl. Zeit seines Lebens leidet Tschaikowsky "an Depressionen sowie den verschiedensten Qualen physischer und psychischer Art" (S. 180). Immer wieder "kehren die Depressionen zurück, die nervöse Hochspannung, das körperliche Unwohlsein, Halluzinationen und Zustände der Angst" (S. 130); Tschaikowsky wird von "Selbstzweifeln und neurotischen Ängsten" (S. 174) heimgesucht. Und seine Homosexualität bedeutet ein "Martyrium der Angst" (S. 37). Malte Korffs Tschaikowsky-Porträt entspricht dem Klischee vom schwermütig-gefühlsbesoffenen Slaven so sehr, dass es fast wie eine Karikatur wirkt. Korff spricht vom "im tiefsten Sinne erotischen, doch mit einer 'weiblichen' Seele ausgestatteten Komponisten" (S. 52). Der musikhistorischen Bedeutung und der fachmännischen Originalität Tschaikowskys wird man damit nicht gerecht.Malte Korffs "Tschaikowsky"-Biographie ist ein ungenaues, zuweilen fehlerbehaftetes, einseitiges Buch, das den Zugang zum Tschaikowskyschen Oeuvre hinter Herzschmerz und verklärter Empfindsamkeit versteckt. Korff beweist: Tschaikowsky wird auch heute nicht ganz ernst genommen. Tschaikowsky hat es eben nicht leicht.

  • J. Fromholzer
    2019-04-21 22:49

    Der Leipziger Musikwissenschaftler Malte Korff erzählt ruhig, unspektakulär und knapp das tragische Leben des russischen Komponisten (und Juristen!) Peter Iljitsch Tschaikowsky auf knapp 250 Seiten. Zuerst in die Laufbahn eines Juristen gedrängt, entscheidet sich der musikalisch begabte Tschaikowsky erst 1862 mit einem Musikstudium zu beginnen; zu diesem Zeitpunkt liegt die sogenannte "Rechtsschule" für einen Beamtenrang schon hinter ihm.Sehr gut gelingt es Malte Korff die regelmäßigen Stimmungsschwankungen des Komponisten zu erzählen, so dass der Leser sich einfühlen kann in Tschaikowskys Leben. Er zweifelte am Wert seiner Arbeit, fühlte sich durch sein Privatleben (er war homosexuell) ausgegrenzt und hatte mit zunehmenden Alter Depressionen. Depressionen - obwohl sich der musikalische Erfolg in ganz Europa schnell einstellte.Am Ende des Buchs stellte der Autor Korff die unterschiedlichen Sichtweisen zum frühen Tod des Komponisten 1893 vor: war es die Cholera, eingefangen durch ein Glas Wasser, das nicht abgekocht war? Oder war es doch ein Suizid durch Arsen ("..... dessen Wirkung den Symptomen der asiatischen Cholera ähnelt.", Seite 231). Niemand kann das heute mit Sicherheit sagen.Überliefert scheint jedoch zu sein, dass Tschaikowsky von dem Kellner, beim der er ein Glas Wasser bestellte, gewarnt wurde, nicht abgekochtes zu trinken. Abgekochtes Wasser war nämlich in diesem Lokal gerade nicht verfügbar. Der Komponist wollte jedoch sofort - kühles - Wasser.Ein viel zu kurzes Leben.( J. Fromholzer )